Seelengemälde

Das Werk habe natürlich ein Programm, aber keines, „das man in bloße Worte fassen könne“, so verteidigte Tschaikowski einst den Vorwurf, seine vierte Sinfonie klinge nach Programmmusik. Dennoch verstand er das Fanfarenmotiv gleich zu Beginn des ersten Satzes als das „Samenkorn“ des Werkes. Er beschrieb „es“ als „die verhängnisvolle Macht, die unser Streben nach Glück verhindert und eifersüchtig darüber wacht, dass Glück und Frieden nie vollkommen werden, eine Macht, die wie ein Damoklesschwert über unserem Haupte hängt und unsere Seele unentwegt vergiftet“. Was für eine Aussage.

Dmitri Schostakowitschs erstes Cellokonzert könnte auch Programm sein, gilt es doch als musikalische Abrechnung mit Stalin. Die Initialen D.S.C.H. (als Variation) durchziehen das Werk wie ein roter Faden, teils mit sarkastischem Humor im Kontrast zu einer expressiven Innerlichkeit und dann wieder – verzerrt karikierend – mit galliger Heiterkeit. So erhält das Individuum eine starke Stimme gegenüber dem Kollektiv.

Tschaikowskis Stimme ist die eines „Seelenmalers“: Er verbindet Persönliches und Musikalisches im Sinne eines leidenschaftlichen Bekenntnisses. Zwei Seelengemälde unterschiedlichster Art, die glühen, weil sie tiefen menschlichen Ausdruck haben.

Das Universitätsorchester hofft auf Ihre Begeisterung.

Termine
Freitag, 8. Juli 2016, 20 Uhr (Erlöserkirche Essen)
Samstag, 9. Juli 2016, 17 Uhr (Zeche Zollverein Halle 12)

Programm
Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975)
Cellokonzert Nr. 1, Es-Dur op. 107 (1959)
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 – 1893)
Sinfonie Nr. 4, f-Moll op. 36 (1877)

Ausführende

Universitätsorchester Duisburg-Essen
Leitung: Oliver Leo Schmidt
Bläsereinstudierung: Wolfgang Esch

Solistin:
Janina Ruh, Violoncello