Das erste Konzert fand in nahezu intimer Atmosphäre statt - im Foyer der Strahlenklinik. 50 Jahre später füllt das Uniorchester renommierte Konzertsäle in Duisburg und Essen.

Mit Liebe, Begeisterung und Hingabe – 50 Jahre Universitätsorchester

Das erste Konzert fand in nahezu intimer Atmosphäre statt - im Foyer der Strahlenklinik. Nur wenige Zuhörer hatten dort Platz. „Außerdem gingen die Türen des Aufzugs ständig auf und zu“, erinnert sich Siegfried Scheytt, der das Ensemble fast 30 Jahre lang leitete. Medizinstudenten, die von Münster nach Essen gewechselt waren, hatten es im Wintersemester 1964/1965 gegründet. „Wir wollten gerne weiter Musik machen wie in Münster und haben Gleichgesinnte gesucht“, erzählt Evi Hett, die damals wie heute Geige im Orchester spielt. Doch 1965 gab es in Essen noch keine Universität, geschweige denn ein Universitätsorchester. So probte das Medizinerensemble dort, wo es studierte – am Uniklinikum, anfangs noch im klinikeigenen Kindergarten auf winzigen Stühlchen, später im Altstadthaus an der Kreuzeskirche. Denn Siegried Scheytt, der ehemalige Folkwang-Student, war Kantor und Organist an der Essener Kreuzeskirche. Im Laufe der Jahre formte er aus dem Collegium musicum, wie es sich anfangs nannte, ein respektables Sinfonieorchester, das ab 1971 viele Jahre im Audimax des Uniklinikums probte und konzertierte. Am Ende seiner Amtszeit 1996 leitete Siegried Scheytt ein Ensemble aus 50 Instrumentalisten und hatte 150 Konzerte gegeben.

Konzerte in der Philharmonie

Schon damals waren die Semesterabschlusskonzerte im Audimax des Klinikums das kulturelle Highlight an Gesamthochschule Essen, die im Übrigen erst 1972 gegründet wurde. Der größte medizinische Hörsaal platzte regelmäßig aus allen Nähten. Heute 20 Jahre weiter füllen die Konzerte des Universitätsorchesters Duisburg-Essen nahezu mühelos die Philharmonie Essen, den größten Konzertsaal der Stadt, mit fast 1900 Plätzen. Seit der Fusion der beiden Universitäten Essen und Duisburg vor elf Jahren spielt das Orchester zudem im renommierten Theater Duisburg, in der Halle 12 des Weltkulturerbes Zeche Zollverein oder in der Erlöserkirche. Seine Konzerte sind mittlerweile eine feste Größe im Essener Kulturleben. Und seit zehn Jahren bestreitet das Orchester im Wintersemester die Festkonzerte der Universität Duisburg-Essen. Mit der Akzeptanz ist auch das Orchester gewachsen. Fast 90 Mitglieder zählt es heute und ist eines der größten und besten Universitätsorchester in Deutschland. Seit 2000 probt es denn auch im deutlich größeren Audimax der Universität an der Segerothstraße.

Mit Schmidt kommt neuer Schwung

Der größten Aufschwung nahm das Orchesters unter Oliver Leo Schmidt. Der Karajan-Preisträger und Professor der Folkwang Universität der Künste leitet das Ensemble seit nunmehr 13 Jahren. Nach Scheytts Ausscheiden führten zunächst jüngere Dirigenten wie Silke Löhr oder Allan Bergius das Orchester, später der erfahrene Orchesterleiter Mark-Andreas Schlingensiepen. Oliver Leo Schmidt übernahm das Orchester sehr kurzfristig, trotz vielfältiger anderer künstlerischer Verpflichtungen. „Ich bin ins kalte Wasser gesprungen“, erzählt der gebürtige Oberhausener. Denn bis dato arbeitete der ausgebildete Dirigent ausschließlich mit Profimusikern. Er dirigierte namhafte Orchester wie die Duisburger Philharmoniker, die Bochumer Symphoniker, die Neue Philharmonie Westfalen oder das Festivalorchester des Europäischen Klassikfestivals Ruhr. Seine Lehrmeister waren unter anderem Sergiu Celibidache, Spiros Argiris oder Leonard Bernstein. Wichtige Impulse erhielt er auch durch regelmäßige Hospitationen bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen von weltbekannten Taktgebern wie Levine, Barenboim, Ozawa, Abbado, Maazel, Muti, Boulez oder Gielen.

Hohes Niveau und enorme Qualität

Die Zusammenarbeit mit den Hobbymusikern des Universitätsorchesters begeisterte ihn schnell. „Sie bringen Liebe zur Musik mit, Begeisterung und Hingabe. Das sind Faktoren, die manchen Profimusikern fehlen.“ Im Zusammenspiel mit Schmidts Schwung, seinem Temperament und seiner großen Musikalität dringt das Orchester in ganz neue Bereiche vor und kann seine Qualität enorm steigern. „Klangorgan auf hohem Niveau“ titelte unlängst ein Kritiker. Charmant, beharrlich und immer fair motiviert der Folkwängler Schmidt das Orchester zu immer neuen Höhenflügen. Anspruchsvolle Programme werden sein Markenzeichen, neben dem üblichen Standardrepertoire experimentiert er auch mit unkonventionellen Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Dabei lässt er den Orchestermitgliedern genügend Raum für ihre eigene Entfaltung, macht andererseits klare Vorgaben und setzt entscheidende Akzente.

Eine Brücke in die Region

Gleichzeitig freut es ihn, mit welcher Selbstverständlichkeit die Universität der klassischen Musik „Raum und Ohr“ gibt. „Gerade die seelische Ebene gehört zum ganzheitlichen Aspekt einer Universität dazu“, erklärt Schmidt, der neben der Musik auch freie Malerei, Kunsthistorik und Kunstpädagogik studierte. „Zumal die Berührungsängste mit klassischer Musik bei unseren Konzerten geringer sind, als in großen Häusern.“ Schließlich ist das Publikum des Universitätsorchesters jung und vielfältig, genau wie das Orchester selbst. Seit jeher wirkt es in die Stadt hinein. „Es bringt nicht nur Studierende und Lehrende verschiedener Fachbereiche zusammen, sondern integriert auch begeisterte Laienmusiker aus der Region“, sagt Prof. Eberhard Passarge. Als langjähriger Musikbeauftragte der Universität begleitet er das bunte Ensemble seit mehreren Jahrzehnten und hat mit seinem unermüdlichen Engagement schon manche Tür geöffnet.